Legasthenie/ LRS in den Schulen in Sachsen:

Der Gliederungspunkt Legasthenie/ LRS sowie die nachfolgenden Gliederungspunkte Dyskalkulie, ADS/ ADHS und auch Hochbegabung gehören trotz ihrer grundsätzlichen Verschiedenartigkeit zusammen:

  • Denn all diese Punkte umfassen Schüler, die aufgrund ihrer individuellen Andersartigkeit in der Schule Probleme bekommen, wenn sie nach den für alle geltenden Kriterien behandelt werden.
  • Der wichtigste Grundsatz des Schulrechts ist indes der Grundsatz der Chancengleichheit. Diesem immanent ist die Verpflichtung der Schulen, dies auch zu gewährleisten, was regelmäßig unter dem Begriff der Förderung bzw. des Nachteilsausgleichs diskutiert wird.

Eine ansatzweise Regelung hierzu ist in § 35a SchulG Sachsen vorhanden:

"Die Ausgestaltung des Unterrichts und anderer schulischer Veranstaltungen orientiert sich an den individuellen Lern- und Entwicklungsvoraussetzungen des Schülers. Dabei ist insbesondere Teilleistungsstörungen Rechnung zu tragen. Zur Förderung des Schülers und zur Ausgestaltung des Erziehungs- und Bildungsauftrags können zwischen dem Schüler, den Eltern und der Schule Bildungsvereinbarungen getroffen werden."

Diese wohlfeilen Worte halten der Realität selbstverständlich nicht stand (was allerdings auch in anderen Bundesländern so ist): Nur Legasthenie/ LRS ist in Sachsen durch Verwaltungsvorschriften (VwV LRS-Förderung) und dann auch nur rudimentär geregelt, was natürlich kein zufriedenstellender Zustand ist.

Im einzelnen:

a. Feststellung von Legasthenie/ LRS:

Grundpfeiler der Inanspruchnahme von Nachteilsausgleichen ist die Feststellung von Legasthenie/ LRS.

Die Feststellung von Legasthenie/ LRS ist in Sachsen genau durchnormiert: Die Prüfung erfolgt durch ein von der Sächsischen Bildungsagentur berufenes Diagnostikteam aus LRS-Lehrern, Schulpsychologen und Sprachheilpädagogen.

  • Dies hat natürlich den Vorteil, daß eine Feststellung von Legasthenie/LRS dann felsenfest erscheint.

Andererseits ist es natürlich so, daß in der Praxis Legasthenie/LRs oftmals "übersehen" wird und Feststellungen durch Privatinstitute erfolgen.

Auch in diesen Fällen muß es nach richtiger Auffassung natürlich Nachteilsausgleiche geben (soweit dies für die Vergangenheit möglich ist), als faktisch vor allem im Benotungsbereich, da rückwirkende Fördermaßnahmen und Erleichterungen bei der Leistungsfeststellung nicht möglich sind.

Für Fragen zur Kommunikation mit Schulen hinsichtlich der Anerkennung, rückwirkenden Feststellung usw. kontaktieren Sie mich bitte direkt.

b. Fördermaßnahmen Legasthenie/ LRS:

Fördermaßnahmen sowie die Feststellung eines Förderplans obliegen grundsätzlich der Schule.

In der Praxis sind die Angebote der Schule freilich oftmals unzureichend, weswegen auf private Institute ausgewichen werden muß.

  • Die Übernahme dieser Kosten ist gem. § 35a SGB VIII im Einzelfall möglich, was nicht unwesentlich ist, da die Kosten meist immens sind.
  • Für Fragen hierzu kontaktieren Sie mich bitte direkt.

c. Nachteilsausgleich bei der Leistungserfassung und Benotung bei Legasthenie/ LRS:

Nachteilsausgleiche bei der Leistungserfassung und Benotung sind üblicherweise die relevantesten Punkte bei Legasthenie/ LRS:

  • Relevanz können vor allem Schreibzeitverlängerungen, die Nutzung von Hilfsmitteln (Duden usw.) oder auch das Vorlesen von Aufgabenstellungen erlangen.
  • Bei der Benotung selbst sind vor allem denkbar: Einzelne Bereiche gar nicht zu werten (bspw. Diktate) oder zumindest zurückhaltend.

Die vorgenannten Verwaltungsvorschriften sind hierzu allerdings äußerst zurückhaltend:

  • Nachteilsausgleiche bei der Leistungserfassung sind nur rudimentär geregelt.
  • Im übrigen beschränkt sich der Ausgleich bei der Benotung auf einen temporären und inhaltlich beschränkten Notenschutz.

Dies reicht selbstverständlich keinesfalls aus, um dem Grundsatz der Chancengleichheit und dem dort immanenten Nachteilsausgleich zu genügen.

Insofern müssen nach richtiger Auffassung viel weitergehende Nachteilsausgleiche erfolgen, die notfalls verhandelt werden müssen.

Für Fragen hierzu bzw. Hilfen bei der Durchsetzung im Einzelfall kontaktieren Sie mich bitte direkt.

Wichtig ist ein möglichst frühzeitiger Kontakt, am besten zu Beginn des Schuljahres, da nachträgliche Korrekturen meist schwieriger werden.

d. Nachteilsausgleich allgemein:

Neben diesen konkreten Fragen sind Nachteilsausgleiche natürlich auch allgemein denkbar (freilich aber nicht in den vorgenannten Verwaltungsvorschriften geregelt):

Gerade solche richtungsweisenden Entscheidungen bedürfen nach richtiger Auffassung einer ganzheitlichen Betrachtung. Bitte kontaktieren Sie mich für weitergehende Fragen bzw. die Durchsetzung im Einzelfall direkt.